Es war eine Premiere der besonderen Art, selbst für eine legendäre Autorallye wie die Rallye Dakar. Am 15. Januar überquerten Maris Saukans und Andris Dambis für das Team Lettland die Ziellinie in Lima – und zwar in einem Elektroauto. Nach 9000 Kilometern und mehr als zwei Wochen traf das Team aus Lettland in der peruanischen Hauptstadt, der letzten Etappe des Wüstenmarathons, ein. Dabei belegte es den 77. Platz im Gesamtklassement. Ein gefühlter Sieg, da sich zum ersten Mal ein Elektroantrieb im anspruchsvollsten Offroad-Rennen der Welt beweisen musste. Denn die „Dakar“ ist selbst für konventionelle Motoren eine der härtesten Prüfungen. Die Letten machten die Rallye Dakar zu einem Schaulaufen.

Spezialanfertigung für Extremsituationen
Als das von der lettischen Regierung geförderte Projekt vor etwas mehr als einem halben Jahr mit den Rennvorbereitungen begann, war allen Beteiligten klar, dass man nicht um den Sieg fahren würde. Stattdessen sollte die Leistungsfähigkeit von batteriebetriebenen Elektroautos unter Extrembedingungen präsentiert werden. Dafür wurde die Karosserie eines herkömmlichen Rallyeautos auf die besonderen Anforderungen eines Elektroautos zugeschnitten. Denn die „OSCar eO“ genannte Spezialanfertigung besitzt unter dem Blechkleid zwei kleine Elektromotoren, 16 Batteriepakete und einen Benzinmotor als Reichweitenverlängerer (Range Extender).
Mit dieser Konfiguration kann das Fahrzeug 900 Kilometer weit fahren. Mit herkömmlichen Batterien ausgestattete Elektroautos haben dagegen eine Reichweite von maximal 250 Kilometern, Modelle mit Reichweitenverlängerer schaffen rund 600 Kilometer. Für eine einzige Etappe der Rallye Dakar müssen aber knapp 800 Kilometer zurückgelegt werden – in diese Dimensionen ist noch kein Stromer vorgestoßen.
Keine mechanischen Schäden
Das OSCar eO gilt dennoch als vollwertiges Elektroauto, weil sein Verbrennungsmotor nicht die Räder direkt antreibt. Er „füttert“ einen Generator, der die Batterien auffüllt, aus denen wiederum der Elektromotor seine Energie zieht. Dessen Leistung kann sich sehen lassen: 235 kW (rund 320 PS), eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 140 km/h (mehr ist in der Wüste kaum nötig) und ein maximales Drehmoment von 800 Nm gestatteten dem Experiment auf vier Rädern, auch steile Dünenkämme zu erklimmen.
Erfreulich aus Sicht der Letten war, dass während des Rennverlaufs keine nennenswerten mechanischen Schäden auftraten. Auch die in den Anden herrschenden Temperaturen von bis zu –8° C steckte das OSCar eO gut weg. Nur die Bedingungen in den Wüstengebieten, wo die Außentemperatur auf annähernd 40° C klettert, überhitzten Technik und Instrumente kurzfristig. Stoppen ließ sich der lautlose Lette davon allerdings nicht.
Deshalb wertet Maris Saukans das Rennen als großen Erfolg. Nach dem Trip quer über den südamerikanischen Kontinent sagte er: „Wir sind Pioniere und haben die Chance, andere zu inspirieren.“